Das neue Nachbarschaftsrecht: Was ist erlaubt und was nicht?

Das Nachbarschaftsrecht regelt die Beziehungen zwischen Nachbarn und ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Zivilrechts. Es legt fest, welche Rechte und Pflichten Nachbarn haben und wie sie miteinander umgehen sollten. In den letzten Jahren gab es Änderungen und Anpassungen, die für viele Eigentümer und Mieter von Bedeutung sind. In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des neuen Nachbarschaftsrechts und was Sie als Nachbar beachten sollten.


1. Rechtliche Grundlagen des Nachbarschaftsrechts

Das Nachbarschaftsrecht ist in den §§ 903 bis 924 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) verankert. Diese Regelungen betreffen unter anderem:

  • Nachbarrechtliche Ansprüche: Hierzu zählen Ansprüche auf Beseitigung von Störungen, Unterlassung von Eingriffen und Ausgleich von Schäden.
  • Benutzungsrechte: Die Regelungen über das Benutzungsrecht betreffen das Nutzen von Grundstücken, zum Beispiel durch Zufahrt oder Wegerecht.

2. Grenzbebauung: Was ist erlaubt?

Ein häufiges Streitfeld im Nachbarschaftsrecht ist die Grenzbebauung. Hier sind einige wichtige Punkte, die zu beachten sind:

  • Abstandsvorschriften: In vielen Bundesländern gelten Mindestabstände, die bei der Errichtung von Gebäuden, Carports oder Zäunen eingehalten werden müssen. Diese Abstände variieren je nach Bundesland und müssen in der jeweiligen Bauordnung nachgelesen werden.

  • Genehmigungspflicht: In vielen Fällen ist für den Bau an der Grundstücksgrenze eine Baugenehmigung erforderlich. Vor allem bei größeren Bauvorhaben oder wenn der Nachbar betroffen ist, sollten Sie rechtzeitig beim zuständigen Bauamt nachfragen.

  • Bau von Zäunen und Hecken: Auch beim Bau von Zäunen und Hecken sind bestimmte Vorschriften zu beachten. Diese können von der Höhe und Art des Zaunes bis hin zu Pflanzabständen reichen.


3. Lärm- und Geruchsbelästigung

Ein weiteres häufiges Thema im Nachbarschaftsrecht ist die Lärmbelästigung. Hier einige wichtige Punkte:

  • Nachtruhe und Ruhezeiten: In Deutschland gilt in der Regel eine Nachtruhe von 22:00 bis 6:00 Uhr. Während dieser Zeit sind lärmintensive Aktivitäten, wie das Rasenmähen oder Musizieren, unzulässig.

  • Allgemeine Ruhezeiten: Auch tagsüber gibt es Zeiten, in denen besondere Rücksichtnahme gefordert ist. Dazu gehören Sonntage und Feiertage.

  • Geruchsbelästigung: Auch Gerüche, die von einem Grundstück ausgehen, können zu Nachbarschaftsstreitigkeiten führen. Hierbei ist oft zu klären, ob die Geruchsbelästigung erheblich ist und ob diese durch Maßnahmen wie z. B. eine Abdeckung oder Abgrenzung verringert werden kann.


4. Bäume und Pflanzen

Bäume und Pflanzen können ebenfalls zu Konflikten zwischen Nachbarn führen. Hier einige relevante Aspekte:

  • Baumabstände: In vielen Bundesländern gibt es Vorschriften darüber, wie weit Bäume von der Grundstücksgrenze entfernt stehen müssen. Generell sollten Sie Bäume und Sträucher so pflanzen, dass sie nicht auf das Nachbargrundstück wachsen.

  • Überhang und Wurzeln: Überhängen Äste oder Wurzeln eines Baumes auf das Nachbargrundstück, hat der Nachbar in der Regel das Recht, diese zurückzuschneiden, allerdings muss er den Baum- oder Pflanzenbesitzer vorher informieren.


5. Streitigkeiten und Lösungen

Sollten Konflikte mit Nachbarn entstehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu lösen:

  • Gespräch suchen: Oft können Probleme durch ein einfaches Gespräch geklärt werden. Sprechen Sie offen und ehrlich mit Ihrem Nachbarn über Ihre Bedenken.

  • Mediation: Wenn ein persönliches Gespräch nicht zum Erfolg führt, kann eine Mediation helfen. Hierbei wird ein neutraler Dritter eingeschaltet, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

  • Rechtsweg: Wenn alles andere fehlschlägt, bleibt oft nur der rechtliche Weg. Dabei ist es ratsam, sich im Vorfeld von einem Anwalt für Nachbarrecht beraten zu lassen, um die Erfolgsaussichten einer Klage abzuschätzen.


6. Fazit

Das neue Nachbarschaftsrecht bringt sowohl Rechte als auch Pflichten mit sich. Es ist wichtig, sich über die geltenden Vorschriften in Ihrem Bundesland zu informieren und Konflikte mit Nachbarn frühzeitig anzusprechen, um langwierige Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Indem Sie die grundlegenden Regelungen des Nachbarschaftsrechts verstehen und respektieren, tragen Sie zu einem harmonischen Zusammenleben in Ihrer Nachbarschaft bei. Informieren Sie sich regelmäßig über aktuelle Änderungen im Nachbarschaftsrecht, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und Probleme frühzeitig zu vermeiden.

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