Die häufigsten Fehler bei der Scheidung und wie man sie vermeidet

Eine Scheidung ist oft eine der schwierigsten Phasen im Leben, die sowohl emotional als auch finanziell belastend sein kann. Doch viele Fehler lassen sich vermeiden, wenn man gut informiert ist und die richtigen Schritte geht. Dieser Artikel zeigt dir die häufigsten Fehler bei einer Scheidung und gibt Tipps, wie du sie vermeiden kannst.


1. Den Trennungszeitraum ignorieren

  • Der Fehler: Viele Paare trennen sich, ohne das formale Trennungsjahr einzuhalten. In Deutschland ist es jedoch gesetzlich vorgeschrieben, dass Paare mindestens ein Jahr getrennt leben müssen, bevor eine Scheidung eingereicht werden kann. Dieser Zeitraum dient dazu, zu prüfen, ob eine endgültige Trennung wirklich gewünscht ist.
  • Die Lösung: Das Trennungsjahr sollte ordnungsgemäß eingehalten und dokumentiert werden, etwa durch getrennte Konten, separate Schlafzimmer oder Wohnorte. Nur in Ausnahmefällen (z.B. bei schweren Konflikten) kann das Trennungsjahr verkürzt werden.
  • Rechtsgrundlage: § 1565 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Siehe BGB § 1565.

2. Keinen Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung haben

  • Der Fehler: Viele Paare schließen keinen Ehevertrag ab und regeln damit keine Eigentums- und Vermögensfragen für den Fall einer Trennung. Ohne einen Ehevertrag kommt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft zum Tragen, was oft zu finanziellen Streitigkeiten führt.
  • Die Lösung: Ein Ehevertrag oder eine Scheidungsfolgenvereinbarung kann schon vor der Ehe oder nach der Trennung aufgesetzt werden. Darin können Vermögensaufteilungen, Rentenansprüche und andere finanzielle Fragen geregelt werden, um Streit zu vermeiden.
  • Rechtsgrundlage: § 1408 BGB erlaubt es Ehepartnern, durch Eheverträge und Scheidungsfolgenvereinbarungen individuelle Regelungen zu treffen. Siehe BGB § 1408.

3. Den Kindesunterhalt falsch berechnen

  • Der Fehler: Ein häufiger Fehler ist die fehlerhafte Berechnung des Kindesunterhalts. Der Kindesunterhalt wird nach der sogenannten „Düsseldorfer Tabelle“ berechnet, wobei das Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils entscheidend ist. Fehler bei der Berechnung führen oft zu Konflikten.
  • Die Lösung: Um den Kindesunterhalt korrekt zu berechnen, sollte man die Düsseldorfer Tabelle und die rechtlichen Regelungen beachten. Es ist ratsam, sich bei der Berechnung an einen Anwalt zu wenden, um faire und realistische Beträge zu ermitteln.
  • Rechtsgrundlage: § 1601 BGB besagt, dass Eltern verpflichtet sind, für den Unterhalt ihrer Kinder aufzukommen. Siehe BGB § 1601.

4. Das Umgangsrecht nicht klären

  • Der Fehler: Manche Eltern vernachlässigen das Thema Umgangsrecht und verlassen sich auf mündliche Vereinbarungen. Dies führt jedoch oft zu Missverständnissen und Streitigkeiten über Besuchszeiten und Ferienregelungen.
  • Die Lösung: Es ist ratsam, das Umgangsrecht schriftlich festzuhalten und klare Vereinbarungen zu treffen. Dabei kann das Jugendamt helfen, eine für beide Seiten faire Lösung zu finden. Sollte keine Einigung möglich sein, kann ein Gericht eine Umgangsregelung festlegen.
  • Rechtsgrundlage: § 1684 BGB regelt das Umgangsrecht und stellt sicher, dass Kinder das Recht haben, mit beiden Elternteilen Kontakt zu halten. Siehe BGB § 1684.

5. Einkommensveränderungen nicht berücksichtigen

  • Der Fehler: Nach einer Scheidung kann sich das Einkommen eines oder beider Ex-Partner ändern. Viele vergessen, dies bei Unterhaltszahlungen anzupassen. Dies kann dazu führen, dass ein Elternteil entweder zu viel oder zu wenig Unterhalt zahlt.
  • Die Lösung: Einkommensveränderungen sollten regelmäßig geprüft und der Unterhalt entsprechend angepasst werden. Änderungen im Einkommen können durch eine Neuberechnung des Unterhaltsanspruchs berücksichtigt werden, entweder durch Verhandlung oder im Streitfall durch gerichtliche Anpassung.
  • Rechtsgrundlage: § 1612a BGB für die Festsetzung des Mindestunterhalts, der sich regelmäßig anpasst. Siehe BGB § 1612a.

6. Die Rentenansprüche nicht regeln (Versorgungsausgleich)

  • Der Fehler: Viele vergessen, dass Rentenansprüche ebenfalls geteilt werden müssen. Der sogenannte Versorgungsausgleich regelt die Aufteilung der während der Ehe erworbenen Rentenansprüche, sodass beide Ehepartner eine faire Altersvorsorge erhalten.
  • Die Lösung: Der Versorgungsausgleich wird bei einer Scheidung automatisch durchgeführt, es sei denn, beide Parteien verzichten darauf. Es ist wichtig, diesen Punkt nicht zu vernachlässigen und ggf. rechtzeitig auf eine individuelle Regelung hinzuwirken.
  • Rechtsgrundlage: Versorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG), § 1 bestimmt, dass die Rentenansprüche grundsätzlich aufgeteilt werden. Siehe VersAusglG § 1.

7. Den Trennungsunterhalt nicht beantragen

  • Der Fehler: Nach der Trennung, aber vor der Scheidung, besteht für den wirtschaftlich schwächeren Ehepartner ein Anspruch auf Trennungsunterhalt. Viele Ehepartner versäumen jedoch, diesen Anspruch geltend zu machen.
  • Die Lösung: Der Trennungsunterhalt muss beim anderen Ehepartner geltend gemacht werden. Er dient der Sicherung des bisherigen Lebensstandards und muss gesondert beantragt werden, solange die Ehe offiziell noch besteht.
  • Rechtsgrundlage: § 1361 BGB regelt den Anspruch auf Trennungsunterhalt. Siehe BGB § 1361.

8. Scheidungskosten unterschätzen

  • Der Fehler: Die Kosten einer Scheidung können hoch sein, vor allem wenn keine Einigung über die Scheidungsfolgen erzielt wird und ein Gericht entscheiden muss. Viele Paare unterschätzen die finanziellen Belastungen, die Gerichts- und Anwaltskosten mit sich bringen.
  • Die Lösung: Eine einvernehmliche Scheidung ist oft günstiger, da dadurch Streitpunkte im Vorfeld geklärt und die Anwaltskosten niedrig gehalten werden können. Es empfiehlt sich, die finanziellen Folgen frühzeitig zu kalkulieren und eventuell eine Prozesskostenhilfe zu beantragen.
  • Rechtsgrundlage: Die Höhe der Scheidungskosten richtet sich nach dem Streitwert und den gesetzlichen Gebührenordnungen, etwa dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG).

9. Nicht auf emotionale Unterstützung setzen

  • Der Fehler: Scheidungen sind emotional belastend, und viele versuchen, alles allein zu bewältigen. Das kann zu Stress, Überforderung und Fehlentscheidungen führen.
  • Die Lösung: Unterstützung durch Freunde, Familie oder professionelle Berater kann enorm hilfreich sein, um Entscheidungen klarer zu treffen. Auch Mediation oder psychologische Hilfe können dazu beitragen, die Scheidung besser zu bewältigen und einvernehmliche Lösungen zu finden.

10. Keine langfristige finanzielle Planung nach der Scheidung

  • Der Fehler: Nach einer Scheidung ändern sich die finanziellen Rahmenbedingungen meist erheblich. Ohne langfristige Planung kann es leicht zu finanziellen Engpässen kommen.
  • Die Lösung: Nach der Scheidung sollte eine langfristige Finanzplanung aufgestellt werden. Dazu gehören eine neue Budgetplanung, die Überprüfung von Versicherungen und die Anpassung der Altersvorsorge.

Fazit

Eine Scheidung bringt viele Herausforderungen mit sich, aber durch gute Vorbereitung und Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen lassen sich viele Fehler vermeiden. Wer frühzeitig die richtigen Schritte unternimmt, kann eine Scheidung so fair und einvernehmlich wie möglich gestalten und damit die Belastungen für alle Beteiligten verringern.

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