Mieterhöhung nach Sanierung: Was Vermieter dürfen und Mieter wissen sollten

Nach einer Sanierung kann es für Vermieter naheliegend sein, die Miete zu erhöhen, um die Investitionen zu refinanzieren. Mieter hingegen haben oft Fragen zu ihren Rechten und Pflichten in diesem Zusammenhang. In diesem Artikel klären wir, was Vermieter bei Mieterhöhungen nach einer Sanierung beachten müssen und welche Rechte Mieter haben.


1. Rechtliche Grundlagen der Mieterhöhung

Die rechtlichen Grundlagen für Mieterhöhungen in Deutschland sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert. Die wichtigsten Paragrafen, die für Mieterhöhungen nach Sanierungen relevant sind, umfassen:

  • § 558 BGB: Allgemeine Vorschriften zur Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete.
  • § 559 BGB: Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen.
  • § 557 BGB: Vereinbarung von Mietanpassungen.

2. Was versteht man unter Modernisierung?

Eine Modernisierung liegt vor, wenn bauliche Maßnahmen durchgeführt werden, die den Wohnstandard erhöhen oder den Energieverbrauch senken. Dazu zählen beispielsweise:

  • Die Installation neuer Heizungsanlagen
  • Fenster- oder Türenwechsel
  • Wärmedämmung
  • Sanitär- und Elektroinstallationen

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Maßnahme eine Mieterhöhung rechtfertigt. Die Maßnahmen müssen tatsächlich als Modernisierung im Sinne des § 559 BGB gelten.


3. Voraussetzungen für eine Mieterhöhung nach Sanierung

Damit Vermieter eine Mieterhöhung nach einer Sanierung durchführen können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ankündigung der Modernisierungsmaßnahme: Vermieter müssen die Mieter mindestens 3 Monate vor Beginn der Maßnahmen schriftlich informieren. In dieser Ankündigung sollten Art, Umfang und voraussichtlicher Dauer der Arbeiten sowie die zu erwartende Mieterhöhung aufgeführt werden.

  • Beendigung der Maßnahmen: Die Mieterhöhung kann erst nach Abschluss der Modernisierungsarbeiten erfolgen.

  • Mieterhöhung mit einer Frist von 3 Monaten: Nach der Fertigstellung der Maßnahmen können Vermieter die Mieterhöhung mit einer Frist von 3 Monaten ankündigen.


4. Höhe der Mieterhöhung

Die Höhe der Mieterhöhung richtet sich nach den durchgeführten Maßnahmen. Nach § 559 BGB dürfen Vermieter die Miete um 8% der für die Wohnung aufgewendeten Modernisierungskosten erhöhen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Regelung nur für die Modernisierungskosten gilt, die tatsächlich entstanden sind und die nachweisbar sind.

Beispiel: Hat der Vermieter 10.000 Euro in die Modernisierung investiert, kann er die Miete um 800 Euro jährlich erhöhen. Dies entspricht 66,67 Euro monatlich.


5. Mieterrechte bei Mieterhöhungen

Mieter haben in Bezug auf Mieterhöhungen nach Sanierungen verschiedene Rechte:

  • Prüfung der Mieterhöhung: Mieter haben das Recht, die Mieterhöhung zu prüfen und gegebenenfalls zu widersprechen. Hierbei sollten sie die Berechnungen des Vermieters genau überprüfen, um sicherzustellen, dass die Mieterhöhung rechtmäßig ist.

  • Widerspruchsrecht: Mieter können der Mieterhöhung innerhalb der gesetzlichen Frist von 2 Monaten schriftlich widersprechen, wenn sie die Erhöhung für unrechtmäßig halten.

  • Kündigungsschutz: Ein Vermieter darf einen Mieter nicht kündigen, weil dieser die Mieterhöhung nicht akzeptiert. Mieter sind jedoch verpflichtet, die erhöhten Mietzahlungen zu leisten, bis der Widerspruch endgültig geklärt ist.


6. Sonderregelungen für sozial schwache Mieter

Es gibt spezielle Regelungen zum Schutz von sozial schwachen Mietern:

  • Mietpreisbremse: In vielen Städten gibt es eine Mietpreisbremse, die die Erhöhung der Miete nach einer Neuvermietung auf maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete beschränkt.

  • Wohngeld und Mietzuschüsse: Mieter, die Schwierigkeiten haben, die erhöhte Miete zu bezahlen, können gegebenenfalls Wohngeld oder andere staatliche Unterstützungen beantragen.


7. Fazit

Eine Mieterhöhung nach Sanierung ist für Vermieter ein legitimes Mittel, um Investitionen zu refinanzieren. Mieter sollten sich jedoch ihrer Rechte bewusst sein und die angekündigten Mieterhöhungen genau prüfen. Es empfiehlt sich, die Informationen schriftlich festzuhalten und gegebenenfalls rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen, um sicherzustellen, dass alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind und ihre Rechte gewahrt bleiben.

Im Zweifelsfall kann auch die Unterstützung eines Mietervereins oder eines Rechtsanwalts hilfreich sein, um die eigene Position zu stärken und für faire Mietbedingungen zu kämpfen.

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